Anthroposophische Sozialtherapie im Alltag

In der anthroposophisch orientierten Behindertenhilfe bezeichnet der Begriff Sozialtherapie die Arbeit mit erwachsenen Menschen mit geistiger Behinderung. Behinderung wird dabei nicht als ein Unglück, nicht als ein Versehen oder Defekt angesehen, sondern als eine einzigartige Entwicklungsgeste des Individuums und als Ausdruck der Persönlichkeit eines Menschen.

Anthroposophische Sozialtherapie ist Leben und Arbeiten mit außergewöhnlichen Menschen

Im Mittelpunkt anthroposophischer Sozialtherapie steht die Begegnung zwischen Menschen und die Gestaltung des sozialen Umfeldes als therapeutisch wirksames Element.

Folgende Methoden werden bei der sozialtherapeutischen Arbeit mit der Lebenssituation behinderter Erwachsener umgesetzt:

Pflege und Gestaltung der räumlichen Umgebung

Die Gestaltung des Lebensumfeldes, des Wohnraumes und die hauswirtschaftlichen Tätigkeiten helfen, einen elementaren Bezug zur eigenen Umwelt zu begründen und deren sinnvolle Struktur als ordnendes Element zu erfahren.

Pflege und Gestaltung des zeitlichen Umfeldes

Ein gut gepflegter Lebensrhythmus und die bewusste Gestaltung des Tages-, Wochen- und Jahresablaufs fördern das strukturierte Zeiterleben und geben durch die Etablierung von gewohnten Abläufen Sicherheit.

Vermittlung von Umwelterfahrungen

Spaziergänge, Ausflüge und Reisen können zu tiefgreifenden Erfahrungen und Erlebnissen werden und bieten wesentliche Chancen für neue Entwicklungsansätze.

Unterstützung der Selbsterfahrung des Erwachsenen

Die Förderung der Selbsterfahrung von Menschen mit Behinderungen im eigenen Tätigsein stellt einen Kernpunkt der sozialtherapeutischen Arbeit dar. Auf ihr beruht langfristig die Entwicklung von Sicherheit und Selbständigkeit.

Arbeitsprozesse und Materialbehandlung

Die Arbeit ist innerhalb des Lebens von erwachsenen Menschen ein wesentliches Element der Selbstverwirklichung und Selbstbestätigung. Dabei bedingt die Art der Arbeit und des Materials sehr verschiedene Anforderungen und Abläufe, die therapeutisch und eingliederungsfördernd gezielt eingesetzt werden können.

Teilhabe am gesellschaftlichen Leben

Die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ist ein wesentliches Ziel und kann sich in sehr unterschiedlicher Art gestalten. Mit Einzelnen oder in der Gruppe kann die Teilnahme am allgemeinen öffentlichen Leben, insbesondere die Benutzung der Verkehrsmittel sowie der Besuch von Geschäften, Ausstellungen, Museen und Veranstaltungen, geübt und gehandhabt werden.

Pflege des kulturellen Lebens

Kulturelle Ereignisse überhöhen den Alltag, erfrischen und geben neuen Schwung. Darüber hinaus können sie wesentlich zum Selbstverständnis einer Gemeinschaft beitragen. Insbesondere wenn sie einen hohen Anteil an eigener Gestaltung beinhalten, können sie nachhaltige Vorfreude, Initiative, Identifikation, Miterleben und später Erinnerungsfreude bewirken.

Pflege des religiösen Lebens

In der Sozialtherapie kann das religiöse Leben entscheidend dazu beitragen, die zum Teil drängenden Fragen nach dem eigenen Schicksal eines Lebens mit Behinderung verstehen und akzeptieren zu lernen.